Offenes Denkmal 2019 - Stadtmuseum Mülheim-Kärlich

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Offenes Denkmal 2019

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Tag des offenen Denkmals am 8. September 2019


Die Alte Kapelle neben dem Rathaus stand im Mittelpunkt

Das Jubiläum „50 Jahre Mülheim-Kärlich“ wurde mit einem Stadtfest gefeiert und fiel zusammen mit dem Tag des offenen Denkmals, der größten Kulturveranstaltung Deutschlands. Die Museumsfreunde stellten an diesem Tag die frühgotische Kapelle, die in den Jahren 1313 bis 1318 erbaut wurde, wieder vor und hatten zur Besichtigung der Räume in der Alten Kapelle eingeladen, die bis 1890 die erste Kirche von Mülheim war.
Im Vordergrund stand der Sitzungsraum im ersten Stock, der seinerzeit nach Übereignung der Kapelle an die Gemeinde Mülheim durch den Einbau einer Zwischendecke in einen Schulraum umgewandelt wurde. Es ist in der Tat der einzige Raum in der Kapelle, der sich in einem funktionsgerechten Zustand befindet. Der vergleichbare Raum darunter wird als Abstellraum genutzt. Die daneben zu ebener Erde liegende und nach vorne und nach oben abgetrennte Chorspitze befindet sich in einem erbärmlichen Zustand und benötigt einer dringenden Sanierungsmaßnahme bezüglich Altar, Sakrarium und Fußboden. Vom Zustand konnten sich mehr als 110 Besucher überzeugen, die auch die Gelegenheit zum Besuch des Stadtmuseum ganz in der Nähe nutzten.

Hier weitere interessante Informationen zu der Kapelle: Der Priester Johannes von Mülheim, auch Husinden genannt, so Winfried Henrichs in der Stadtchronik Mülheim-Kärlich von 2009, erhielt am 24. Juli 1313 gemeinsam mit seinen drei Schwestern Mechtild, Elisabeth und Gutta, von der Trierer Kirchenverwaltung die Erlaubnis, eine Kirche zu errichten. Aus der Dotation ergibt sich, dass ein Vikar in dem benachbarten Haus wohnen sollte. Die Kleinkirche wurde der Jungfrau Maria, dem heiligen Johannes dem Täufer, dem heiligen Johannes dem Evangelisten und den 10.000 Märtyrern geweiht. Ihr zugeordnet wurden Ländereien und Weingärten, deren Erträge -jährlich 10 Mark- einem oder mehreren Vikaren zukommen sollten, die den Frühmess- und Andachtsdienst zu übernehmen hatten.
Nach dem Plan von Rolshausen lag die Kapelle 1791 am Ortsrand neben dem Karthäuser Weinberg. Die Kapelle, so Winfried Henrichs in der Stadtchronik Mülheim-Kärlich von 2009, war das erste eigene Kirchengebäude im heutigen Stadtteil Mülheim und seit ältester Zeit Filiale der Mutterkirche Kärlich und ferner das älteste vollständig erhaltene Gebäude der Stadt.
Die Alte Kapelle in Mülheim diente von Anfang an bis 1890 der Mülheimer Bevölkerung als Hilfs- und Filialkirche der Mutterpfarrei Kärlich. Die Kapelle, die der Mutter Gottes geweiht war, schmückte innen ein Altarbild mit dem Motiv Maria Himmelfahrt. Es ist 1,77 x 1.12 m groß und signiert mit „BS-MS 1708“. Nach Profanisierung der Kapelle hing das Bild im Mülheimer Krankenhaus. Es hängt heute im Pfarrhaus in Mülheim.
Die Kapelle schmückte innen auch ein Relief der Mutter Gottes mit Kind. Das Original befindet sich heute im Diözesanmuseum in Trier. Einen Abdruck findet man im Stadtmuseum. Da das Relief rundum mit einem Strahlenkranz versehen ist und auch auf dem Schlussstein der Chordecke ein Strahlenkranz verzeichnet ist, wäre es durchaus möglich, dass das Relief unter dem Schlussstein, wie es in Kirchen und Klöstern üblich ist, befestigt war.
Die Kapelle hatte mit der Erhebung einer eigenständigen Pfarrei Mülheim, der Berufung eines eigenen Pfarrers und dem Neubau einer eigenen großen Kirche in der Bassenheimer Straße als Gotteshaus ausgedient. Sie wurde an die Gemeinde Mülheim für schulische Zwecke übereignet. Im Innenraum wurde eine Zwischendecke eingezogen, damit die Räume als sogenannte „Kapellenschule“ genutzt werden konnten. Erst 1895 wurde neben der bis dahin freistehenden Kapelle das heutige Rathaus von Mülheim erbaut.
Mit der Schaffung der selbständigen Pfarrei „Maria Himmelfahrt Mülheim“ wurde die Alte Kapelle an die Gemeinde Mülheim für schulische Zwecke übereignet. Im Innenraum wurde eine Zwischendecke eingezogen, damit die Räume als sogenannte „Kapellenschule“ genutzt werden konnten. Die Chorspitze wurde im Ganzen von dem eigentlichen Kirchenschiff abgetrennt. Zu ebener Erde der Chorspitze steht heute noch der ursprüngliche Altartisch. Rechts neben dem Altar befindet sich ein doppeltes Sakrarium mit Maßwerk, auch Piscina genannt. Im unteren Bereich sind trichterartige Vertiefungen mit Abfluss eingebaut, in die das vom Gottesdienst überflüssige Wasser hineingeschüttet wurde.
In der abgetrennten Chorspitze der Alten Kapelle, sind auf dem Fußboden geviertelte Fliesen verlegt, die laut Fliesenrückseite in der Firma Servais-Lamberty in Ehrang/Trier gebrannt wurden. Da diese Firma erst ab 1877 existierte, kann man annehmen, dass diese Fliesen nach dem Muster einer vorher in der Kapelle verlegten Fliese nachgefertigt wurden, denn nicht geviertelte Fliesen dieser Art aus dem 13. Jahrhundert wurden auch im Raum Freiburg gefunden. Die aus vier Teilen zusammengesetzte Fliese zeigt in der Mitte ein Schlingknotenquadrat, Palmetten in den vier Ecken und Rosetten an den vier Nahtstellen.



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