Offenes Denkmal 2018 - Stadtmuseum Mülheim-Kärlich

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Offenes Denkmal 2018

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Tag des offenen Denkmals am 9. September 2018
Im Mittelpunkt stand die Kapelle "Am Guten Mann"

Kapelle am Guten Mann zog viele Besucher an
  
Just am 9. September 2018, als 30 Jahre zuvor das neben der Kapelle am Guten Mann stehende Kernkraftwerk vom Netz gehen musste, trafen sich mehr als 80 Besucher auf Einladung der Mülheim-Kärlicher Museumsfreunde an diesem historischen Ort. Historisch ist der Ort aus verschiedenen Perspektiven, so der Vorsitzende Oswald Senner. Beim Ausbruch des Laacher Seevulkans vor rund 12.900 Jahren stand das ganze Neuwieder Becken buchstäblich unter Wasser, weil glühend-heißer Tuff das Brohltal ausfüllte und dieser bei der Mündung des Brohlbaches im Rhein einen Damm bildete, der einen gewaltigen Rückstau des Rheins verursachte. Nach dem Tuff spuckte der Vulkan den Bims aus, der als Schwemmstein die Wasseroberfläche bedeckte. Bilder der Wingerts-Bergwand demonstrierten seinen Vortrag. Eine weitere Besonderheit spielte sich in der Nähe des heutigen Standortes der Kapelle vor rund 5.000 Jahren ab, als hier zwischen zwei Altarmen der Rheins die damaligen Bewohner, geschützt zwischen dem Flussbett des Rheins und den Altarmes ein Erdwerk errichteten. 10.000 Menschen sollen angeblich im „Erdwerk Urmitz“ gelebt haben, das landeinwärts durch Wassergräben, Wällen und Palisaden, so Fotos und Berichte wissenschaftlicher Ausgrabungen aus dem Jahr 1900.
 
Auch die Römer spielten im Gebiet um die heutige Kapelle eine bedeutende Rolle. Gaius Julius Cäsar lagerte mit seinen Soldaten in der Gegend und baute zweimal, nämlich 55 und 53 vor Christus, eine Brücke über den Rhein, um die Germanen auf der anderen Rheinseite einzuschüchtern. In der Gemarkung „Am guten Mann“, in der heute das Weißenthurmer Industriegebiet in der Hafenstraße liegt, existierte zur Römerzeit ein römisches Dorf mit einem Töpferzentrum, das mit dem ortsansässigen blauen Ton Keramikwaren produzierte und einen schwunghaften Handel trieb, wie durch Funde nachgewiesen werden konnte. Rund 10 römische Brennöfen, die teils noch voll bestückt waren, wurden bei Ausgrabungsarbeiten 1974/75 freigelegt. Viele Keramikprodukte konnten durch den Hobbyarchäologen Karl-Heinz Urmersbach aus Weißenthurm gerettet werden und befinden sich heute im Mülheim-Kärlicher Stadtmuseum. Auch ein Putzstück mit dem Gesicht eines Römers und das Bild eines Medusenkopfes auf einer Keramikscherbe konnten der Nachwelt erhalten bleiben.
 
Im Bericht über den historischen Platz der Kapelle, der immer zu Kärlich gehörte, informierte Lothar Spurzem, dass bereits im Jahr 1162 hier ein Siechenhaus urkundlich nachgewiesen ist, in dem Leprakranke von Karthäuser Mönchen aus Koblenz betreut und gepflegt wurden. Die Kranken durften sich wegen ihrer ansteckenden Erkrankung nur bis an eine bestimmte Grenze von Kärlich, das war der Bildstock „Am Job“ in der Rheinstraße, nähern und mussten sich mit Holzklappern und dem Ruf „Guter Mann“ bemerkbar machen, wenn sie um Lebensmittel baten. Erstmals, so Lothar Spurzem, ist im Jahre 1389 eine Kapelle urkundlich nachgewiesen. Zeitweise sollen 1.700 Leprakranken in Häusern um die Kapelle gewohnt haben. Wie der geschichtlich motivierte Kärlicher Pastor Josef Schmitt in einer Broschüre über die Kapelle festgestellt hat, existierte an gleicher Stelle 1747 auch eine größere Kapelle mit drei Altären.
 
„Typisch Lassaulx“ stellt sich die heutige Kapelle dar, die nach Plänen des preußischen Koblenzer Bezirksbaumeisters Johann Claudius von Lassaulx im Jahr 1838 gebaut wurde. Typisch sind die schwarz/weisen Steinmaterialien aus der näheren Umgebung, die Rundbögen, die Lisenen und die Rundfenster. Die Besucher konnten sich auch von der Wirkung der von Pastor Josef Schmitt und seiner Haushälterin Christine gestifteten Rundfenster überzeugen, die auf der einen Seite einen Einsiedler mit einer Laterne und auf der anderen Seite einen Krankenpfleger mit einem Leprakranken abbilden.
 
Abschließend lud der Vorsitzende der Museumsfreunde die Besucher in das Stadtmuseum Mülheim-Kärlich ein, um die gesammelten Erkenntnisse zu vertiefen.

Stand: 18-09.2018
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